VERITAS Institut für Geschichtsforschung

...begannen unsere Vorfahren einst ihre Bücher, bekundeten so ihren Respekt gegenüber dem interessierten Leser und brachten damit zugleich zum Ausdruck, was sie für das Ziel ihrer Arbeit hielten und vor Veröffentlichung ihrer Gedanken als gut und nützlich betrachteten. Auch ich folge dieser Tradition, wenn ich das VERITAS Institut für Geschichtsforschung und dessen Tätigkeit der Aufmerksamkeit des verehrten Interessenten empfehle. Ich schreibe Institut und Tätigkeit, da im Leben des am 2. Januar 2014 gegründeten Instituts gegenwärtig dessen Aufstellung und die Formulierung der Pläne das Wichtigste sind. Wir haben jedoch die Hoffnung, dass in zwei bis drei Jahren eine neue Begrüßung auch schon die fachlichen Leistungen aufzeigen und bewerten kann.

Ungarns Regierung traf mit ihrer Verordnung Nr. 373/2013 (vom 25. Oktober) die Entscheidung über die Schaffung des VERITAS Instituts für Geschichtsforschung mit dem ausgesprochenen Ziel, beim Überdenken und Durchdenken der ungarischen Geschehnisse der vergangenen mehr als anderthalb Jahrhunderte ohne Zorn und Voreingenommenheit sich den Ereignissen von bestimmender Bedeutung in der Geschichte der ungarischen Nation zuzuwenden, die nicht wenig Diskussionen auslösen – und vermutlich niemals ein für alle annehmbares, konsensuelles Ergebnis bringen. Es soll den Versuch unternehmen, diese Ereignisse neu darzulegen und sich dabei möglichst auf Grundlagenforschungen beziehen.

Und was für Themen, Ereignisse und Geschehnisse sind das?

Wir konzentrieren uns auf drei Haupt-Themengruppen.

Die erste Gruppe davon ist die Herausbildung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse Ungarns nach dem Ausgleich, die Entstehung und die Lage der Parteien. Die Fragen der ungarischen Verbürgerlichung. Die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges sowie die Folgen des Krieges für das Schicksal des Ungartums.

Eng fügt sich daran unser zweites Forschungsgebiet an: Trianon – die größte Tragödie Ungarns im 20. Jahrhundert und das bis heute unverarbeitete Trauma des Ungartums. Die nach Miklós Horthy genannte Ära der Zwischenkriegszeit. Die beachtenswerten Ereignisse und kritikwürdigen Geschehnisse der nahezu 25 Jahre.

Als Drittes folgt die Zeit nach 1945. 1945, der Wendepunkt, der alle weiteren Geschehnisse im 20. Jahrhundert in Ungarn determinierte, als das bis dahin europäische Ungarn in eine „neue Welt" eingegliedert wurde und es sich herausstellte, dass sich die erhofften demokratischen Wandlungen als Schein erwiesen, das Land zu einem Satellitenstaat des kommunistischen Weltreichs wurde, so dass für all jene, die sich die Welt anders vorstellten, in dem mit Mátyás Rákosis Namen verbundenen Ungarn kein Platz war. Genauer gesagt, es gab Platz, doch für viele in Internierungslagern, im Arbeitslager Recsk (Komitat Heves), in Strafvollzugsanstalten oder in der Vertreibung, weil ihnen ihr Heim genommen wurde. Ertrugen das Land und seine Bewohner all das still und ohne Worte oder gab es Widerstand? Dies sind Fragen, auf die authentische Antworten gegeben werden müssen, so wie wir 1956 nicht vergessen dürfen, die 13 Tage, die vom Volksaufstand über die Revolution zum Freiheitskampf wurden – die vielerorts mehr als das wurden – zu einem der herausragendsten Ereignisse der Geschichte Ungarns im 20. Jahrhundert. Das war vielleicht der Augenblick, als die in vielem nicht Übereinstimmenden zur Übereinstimmung gelangten, die sie am besten im folgenden Satz zum Ausdruck brachten: „Russen – nach Hause!"

Das ließ jedoch noch etwa 35 Jahre auf sich warten, als im Juni 1991 die letzten sowjetischen Besatzungstruppen – die die von János Kádár geführte revolutionäre Arbeiter- und Bauernregierung von 1957 an zu „zeitweilig in Ungarn stationierten Sowjetischen Truppen" erklärte – das Territorium Ungarns verließen. Dazu jedoch bedurfte es der ungarischen oppositionellen Bewegungen der 1980er-Jahre, der Wende 1989–1990 und der Tätigkeit und Konsequenz der ungarischen Regierung unter Leitung von József Antall. Es bedurfte jener vier Jahre, deren Geschichte auch in unseren Tagen noch, „ziemlich dunkel" ist und nicht wenig Interesse verbindet sich damit, dass es auch so bleibt.

Die Leiter und Mitarbeiter des VERITAS Instituts für Geschichtsforschung sind dagegen der Auffassung, dass kein einziges wesentliches Detail der ungarischen Vergangenheit im „Dunkel" bleiben darf. Im Zeichen dieser Verpflichtung sind wir darum bemüht, unsere Arbeit nach unserem besten Wissen zu leisten, in Gegenwart und Zukunft gleichermaßen. Möglicherweise werden wir auch Irrtümer begehen, Feststellungen treffen, die berechtigte oder unberechtigte Kritik auslösen, doch eines halten wir uns stets vor Augen, nämlich das, was einst der „Weise des Vaterlandes", Ferenc Deák, 1848 erklärte – und auch deshalb haben wir diese schlagkräftigen Worte als Motto unseres Instituts gewählt: „... man darf nicht lügen." Ich selbst bin der Meinung: Ein Forscher darf nicht nur nicht lügen, ihm ist es auch verboten!

Im Zeichen und im Geiste dieser Überlegungen grüße ich Sie, verehrte Leser, im Vertrauen darauf, dass unsere Forschungsergebnisse auf lange Sicht der grenzübergreifenden nationalen Vereinigung, der Stärkung des ungarischen Identitätsbewusstseins gute Dienste leisten und sich in das System des Unterrichtswesens einfügen.

Univ.-Prof. Dr. habil. Sándor Szakály,
Doktor der Ungarischen Akademie der Wissenschaften
Generaldirektor